1Ausgangslage
Der Einkauf läuft heute über eine Anwendung, die auf Infor Mongoose gebaut wurde. Mongoose ist keine Einkaufslösung, sondern Infors Entwicklungsplattform: ein Werkzeugkasten, mit dem Unternehmen eigene Anwendungen aus Metadaten, Formularen und sogenannten IDOs zusammensetzen. Das ist eine wichtige Unterscheidung, weil sie erklärt, warum ein Wechsel ansteht.
- Es gibt keinen Produktstandard, der sich einfach aktualisieren ließe. Was die Anwendung kann, wurde einmal gebaut. Jede Verbesserung ist ein Entwicklungsauftrag, kein Versionssprung.
- Die Oberfläche folgt der Plattform, nicht dem Einkäufer. Formulare und Tabellenraster sind die natürliche Ausdrucksform von Mongoose. Eine Suchoberfläche, die sich wie ein Webshop anfühlt, ist damit möglich, aber teuer.
- Einkaufsfachlichkeit fehlt im Kern. Rahmenvertragserkennung, PunchOut nach OCI, Katalognormalisierung, Lieferantenbewertung – all das müsste eigens entwickelt und dauerhaft gepflegt werden.
- Das Wissen hängt an wenigen Köpfen. Der Markt für Mongoose-Entwickler ist klein. Das ist ein Betriebsrisiko, das mit den Jahren wächst.
Die Ablösung ist deshalb keine Technikfrage, sondern eine Produktfrage: An die Stelle einer gewachsenen Eigenentwicklung soll ein wiederverwendbares Produkt treten, das sich aktualisieren lässt, ohne dass jemand den ursprünglichen Bauplan im Kopf haben muss.
Was das für die Übernahme bedeutet
Weil die Fachlogik in kundeneigenen Metadaten steckt, ist die Datenübernahme aus Mongoose eine Analyseaufgabe mit Feldabgleich und keine Konfiguration. Realistisch sind dafür 10–15 Personentage, abhängig davon, wie weit die Anwendung über den ursprünglichen Zuschnitt hinausgewachsen ist. Empfohlen wird ein Parallelbetrieb je Werk statt eines Stichtagswechsels für den ganzen Konzern.
2Zielbild
Eine herstellerunabhängige Einkaufsplattform, die sich für Anwender wie ein Webshop anfühlt, im Hintergrund aber sauber mit SAP zusammenarbeitet. SAP bleibt führend für Stammdaten, Kontierung und operative Belege. Die neue Plattform übernimmt Suche, Führung durch den Einkauf, Kataloge, Regeln, Freigaben, Lieferanteninteraktion und später weitere Source-to-Pay-Bausteine.
Der Kern des Nutzens liegt in fünf Sätzen, die heute in vielen Konzernen nicht gleichzeitig wahr sind: schnell finden, richtig kaufen, Vertrag nutzen, korrekt kontieren, sauber an SAP übergeben.
3Warum nicht SAP nachbauen
Ein vollständiger Ariba-Funktionsumfang ab Tag eins wäre unnötig riskant und würde das Vorhaben in genau die Schwergewichtigkeit führen, die es vermeiden soll. Ebenso wenig sinnvoll ist es, Buchhaltungs- oder Bestandslogik nachzubauen. Die Abgrenzung lautet:
| Bleibt in SAP | Kommt in die Plattform |
|---|---|
| Material-, Lieferanten- und Kontierungsstammdaten | Katalogdaten, Suchindex, Synonyme, Normalisierung |
| Bestellung, Wareneingang, Rechnungsprüfung, Zahlung | Bedarfsanforderung bis zur Freigabe, Statusanzeige |
| Bewertung, Bestandsführung, Finanzbuchhaltung | Regelwerk, Freigabematrix, Prüfprotokoll |
| Kontrakte als führender Beleg | Vertragsnutzung, Preisabgleich, Abrufübersicht |
| Berechtigungen für Belegverarbeitung | Rollen und Sichtbarkeit in der Oberfläche |
4Erster Produktumfang: Katalog mit SAP-Anbindung
Der erste sinnvolle Produktumfang ist ein zentraler Einkaufskatalog. Mitarbeiter suchen Artikel und Leistungen, legen sie in einen Warenkorb, ergänzen die Kontierung und übergeben den Bedarf an SAP. Die bestehende SAP-Prozesslandschaft bleibt damit unverändert, während die Oberfläche deutlich einfacher wird.
Die fünf Beschaffungswege
| Weg | Wofür | Im Prototyp |
|---|---|---|
| Interner Katalog | Standardartikel, Vertragsartikel, C-Teile, Schutzausrüstung, Büromaterial | gebaut |
| Lieferantenkatalog | Eingelesene Katalogdaten mehrerer Lieferanten in einer gemeinsamen Suche | gebaut |
| PunchOut / OCI | Sprung in den Lieferantenshop, Rückgabe des Warenkorbs | Attrappe |
| Freitextbedarf | Nicht katalogisiertes Material, Einmalbedarfe | Attrappe |
| Dienstleistungen | Wartung, Kalibrierung, Reparatur, Beratung | gebaut |
Der Ablauf, den der Prototyp zeigt
Schritte 1 bis 6 laufen im Prototyp vollständig. Schritte 7 und 8 sind Attrappen: Sie zeigen die erzeugte Nutzlast und beschreiben, was der Connector täte.
5SAP-Integration
Die Integrationsschicht wird bewusst vom Frontend und von der Fachlogik getrennt. Dadurch kann dieselbe Plattform unterschiedliche SAP-Landschaften bedienen – ECC, S/4HANA On-Premise oder Cloud-Szenarien – ohne dass der Produktkern kundenspezifisch wird.
| Weg | Eignung | Technisch |
|---|---|---|
| OData / API | Der Regelfall in S/4HANA. BANF synchron anlegen, Belegnummer sofort zurück. | API_PURCHASEREQ_PROCESS_SRV |
| BAPI / RFC | Für ECC-Landschaften und dort, wo der OData-Dienst nicht freigeschaltet ist. | BAPI_PR_CREATE |
| Datei | Rückfallebene und Massenlauf. Läuft überall, auch ohne freigegebene Schnittstelle. | CSV nach EBAN-Feldfolge |
| IDoc | Wo eine bestehende EDI-Landschaft ohnehin bedient wird. | PREQCR1 / ORDERS05 |
| OCI | Katalog- und PunchOut-Szenarien zum Lieferanten. | OCI 4.0, NEW_ITEM-* |
| Middleware | Bei großen Landschaften über die vorhandene Integrationsschicht. | SAP Integration Suite |
Der entscheidende Architekturgrundsatz
Kundenspezifische Feldzuordnungen, Customizing und Anmeldeverfahren bleiben im Connector und nie im Produktkern. Genau diese Trennung macht aus einer Kundenlösung ein Produkt, das ein zweites Mal verkauft werden kann – und sie ist der Grund, warum der erste Kunde nicht zufällig die Architektur für alle folgenden festlegt.
6Umfang des MVP
Der MVP ist bewusst kein vollständiger Ariba-Klon, sondern ein produktiv nutzbares Guided-Buying- und Katalogsystem mit sauberer SAP-Integration.
| Baustein | Funktion im MVP | Prototyp |
|---|---|---|
| Benutzer & Rollen | Einmalanmeldung, Rollen, Einkaufsorganisation, Werke, Berechtigungen | Rollen ja, Anmeldung Attrappe |
| Katalog | Artikel, Bilder, Preise, Lieferanten, Materialnummern, Warengruppen | gebaut |
| Suche | Volltext, Filter, Synonyme, Hersteller- und Lieferantenartikelnummer | gebaut |
| Warenkorb | Mengen, Verpackungseinheiten, Lieferadresse, Wunschtermin, Bemerkungen | gebaut |
| Kontierung | Kostenstelle, Innenauftrag, PSP-Element, Sachkonto, Werk, Lagerort | gebaut |
| Regelwerk | Bevorzugte Lieferanten, Vertragsartikel, Wertgrenzen, Pflichtfelder | gebaut |
| Freigabe | Mehrstufige Genehmigung nach Wert und Kostenstelle | gebaut |
| SAP-Connector | Stammdaten lesen, Bedarfsanforderung übergeben | Attrappe |
| Status | BANF- und Bestellnummer, Prozessstatus im Portal | Attrappe |
7Ausbau zu Source-to-Pay
Ein echter Ariba-Ersatz ist wesentlich mehr als ein Katalog. Sinnvoll ist deshalb eine modulare Plattform, bei der Kunden nur die benötigten Bausteine aktivieren.
| Modul | Umfang |
|---|---|
| Guided Buying | Webshop-Bedienung, Kataloge, PunchOut, Freitext, Richtlinien, Kaufempfehlungen |
| Lieferantenmanagement | Lieferantenstamm, Aufnahme, Selbstauskunft, Dokumente, Zertifikate, Risikoinformationen |
| Ausschreibung (RFx) | Anfrage, Angebot, Vergleich, Verhandlungsrunden, Vergabe |
| Verträge | Laufzeiten, Kündigungsfristen, Preislisten, Mengenstaffeln, Abrufübersicht |
| Freigabesteuerung | Matrix nach Betrag, Warengruppe, Gesellschaft, Kostenstelle, Risiko |
| Bedarfsanforderung | Anlage, Bearbeitung, Genehmigung, Abgleich mit SAP |
| Bestellung | Anzeige, Änderungen, Auftragsbestätigungen, Status |
| Lieferantenportal | Bestellungen, Bestätigungen, Liefertermine, Dokumentenaustausch |
| Waren- und Leistungserfassung | Wareneingang und Leistungserfassungsblatt, wahlweise mobil |
| Rechnungszusammenarbeit | Rechnungseingang, Bestellbezug, Abweichungen, Status – ohne SAP FI zu ersetzen |
| Ausgabenanalyse | Auswertung nach Lieferant, Warengruppe, Werk, Gesellschaft, freier Einkauf |
| Lieferantenbewertung | Qualität, Preis, Termintreue, Reklamationen, Nachhaltigkeit |
8Unterscheidungsmerkmale
Ein Katalog allein ist austauschbar. Die folgenden sechs Funktionen sind der Grund, warum sich das Produkt gegen eine Suite und gegen einen Eigenbau durchsetzen kann. Vier davon zeigt der Prototyp bereits.
Lieferantenübergreifende Produktsuche im Prototyp
Ein Suchbegriff zeigt Vertragsartikel, Alternativen, Lieferzeiten und Preise verschiedener Quellen nebeneinander – mit Materialnummer, Warengruppe, Kreditor und Vertragsbezug in derselben Zeile. Rahmenverträge und bevorzugte Lieferanten stehen oben, nicht weil sie zufällig billiger sind, sondern weil das Regelwerk es so vorgibt.
Bedarf in eigenen Worten im Prototyp
Der Anwender schreibt „Ich brauche fünf robuste Akkuschrauber für Werk 1000“. Das System übersetzt den Satz in Menge, Werk und Suchbegriffe, zeigt sichtbar, wie es den Satz gelesen hat, und begründet jeden Vorschlag. Entscheidend ist nicht die Sprachverarbeitung, sondern dass die anschließende Reihenfolge regelbasiert und nachvollziehbar bleibt – sonst ist sie im Konzernumfeld nicht genehmigungsfähig.
Automatische Kontierung im Prototyp
Aus Warengruppe, Benutzer, Kostenstelle, Werk und historischen Regeln entsteht ein Kontierungsvorschlag. Vor der Übergabe wird geprüft, ob das Sachkonto zur Warengruppe passt – im Portal, nicht erst beim Buchen in SAP.
Schutz vor Einkauf am Vertrag vorbei im Prototyp
Nicht bevorzugte Lieferanten, fehlende Verträge, ungewöhnliche Preise und günstigere Rahmenvertragsartikel werden vor dem Kauf gemeldet, mit einem Knopf zur Lösung. Bewusst als Hinweis, nicht als Sperre: Verbote werden umgangen, Hinweise mit einer Ein-Klick-Alternative werden befolgt.
Erkennung ungenutzter Verträge im Prototyp
Das System prüft, ob vorhandene Verträge genutzt werden und ob die Katalogpreise den hinterlegten Konditionen entsprechen. Ein Vertrag mit 22 % Rabatt, dessen Katalogpreis nur 19 % abbildet, fällt sonst niemandem auf – im Prototyp erscheint er als Befund mit Betragsangabe.
Katalognormalisierung späterer Ausbau
Unterschiedliche Lieferantenbeschreibungen, Einheiten und Kategorien werden vereinheitlicht, Dubletten und vergleichbare Produkte erkannt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die lieferantenübergreifende Suche mit echten Katalogdaten so gut funktioniert wie mit gepflegten.
9Technische Architektur
Eine modulare Architektur verhindert, dass aus dem Produkt ein unwartbarer SAP-Sonderbau wird. Von oben nach unten gelesen: Die Oberfläche kennt keinen SAP-Feldnamen, der Kern kennt keine Kundenlandschaft, und nur die unterste eigene Schicht spricht mit fremden Systemen.
Mandantenfähigkeit
Strikt getrennte Daten je Mandant, mit kundenspezifischem Erscheinungsbild, Regelwerk, Katalogen, SAP-Zuordnungen und Rollen. Für große Kunden bleibt eine eigene Instanz möglich – das ist bei Konzernen regelmäßig Voraussetzung für die Freigabe durch die Informationssicherheit.
10Datenmodell
Die zentralen Objekte: Mandant, Benutzer, Rolle, Gesellschaft, Einkaufsorganisation, Werk, Kostenstelle, Sachkonto, PSP-Element, Lieferant, Katalog, Katalogposition, Material, Vertrag, Preiskondition, Warenkorb, Anforderung, Freigabe, Bestellbezug, Ausschreibung, Angebot, Wareneingangsbezug, Rechnungsbezug, Protokolleintrag.
Eine Entscheidung, die man nur einmal trifft
Das interne Datenmodell bleibt SAP-unabhängig. SAP-Feldnamen dürfen nicht das Domänenmodell bestimmen. Wer MATKL und KNTTP in den Produktkern schreibt, kann später kein zweites ERP anbinden und keinen Kunden bedienen, der andere Felder verwendet. Die Zuordnung gehört in den Connector – und nur dorthin.
11Fahrplan
Klickbarer Einkaufsweg, Regelwerk, Freigabe, erzeugte SAP-Nutzlast. Grundlage für die Entscheidung, nicht für den Betrieb.
Katalog, Suche, Warenkorb, Kontierung, Regelwerk, Freigabe, echte BANF-Übergabe und Statusrückmeldung. Ein Werk, eine Warengruppe, ein Lieferant – produktiv.
PunchOut nach OCI, Katalogeinlesung mehrerer Lieferanten, erweitertes Regelwerk, bevorzugte Lieferanten, Vertragsabrufe, Freitextbedarf.
Aufnahme neuer Lieferanten, Selbstauskunft, Dokumente und Zertifikate mit Fristenüberwachung, Bewertung, erster Lieferantenzugang.
Anfrage, Angebotsvergleich, Verhandlungsrunden, Vergabe und die Überleitung des Ergebnisses in einen Vertrag.
Bestellzusammenarbeit, Wareneingang und Leistungserfassung, Rechnungsstatus, Ausgabenanalyse.
Semantische Suche, Katalognormalisierung, Klassifikation, Auffälligkeitserkennung, Empfehlungen. Bewusst zuletzt, weil diese Verfahren gute Daten voraussetzen.
Zeitangaben für ein kleines, eingespieltes Team. Sie beschreiben Entwicklungsdauer, nicht Einführungsdauer beim Kunden – die hängt an Stammdatenqualität und Abstimmungswegen, nicht an Technik.
12Aufwand und Einführung
Die Schnittstellen sind der Teil, den Fachbereiche unterschätzen und IT-Abteilungen zuerst bewerten. Deshalb hier die Einzelschätzungen, wie sie auch im Prototyp hinter jeder Schnittstellenkarte stehen:
| Schnittstelle | Richtung | Aufwand |
|---|---|---|
| Stammdaten aus SAP lesen | SAP → Portal | 4–6 PT |
| Bedarfsanforderung als Datei | Portal → SAP | 5–8 PT |
| Bedarfsanforderung über OData | Portal → SAP | 8–12 PT |
| Belegstatus zurückmelden | SAP → Portal | 5–7 PT |
| Anmeldung über Entra ID | Unternehmen → Portal | 3–4 PT |
| Katalogeinlesung (Grundlage) | Lieferant → Portal | 6–10 PT |
| PunchOut je Lieferant | Portal ↔ Lieferant | 2–3 PT |
| Übernahme aus Infor Mongoose | Infor → Portal | 10–15 PT |
Der eigentliche Aufwand liegt nicht in der Technik
- Katalogpflege. Ein Katalog ohne gepflegte Warengruppen, Einheiten und Materialnummern macht jede Suche schlecht. Das ist Datenarbeit, und sie gehört in den Plan.
- Zuordnung Warengruppe zu Sachkonto. Fachlich, nicht technisch. Muss mit dem Rechnungswesen abgestimmt und danach gepflegt werden.
- Freigabematrix. Jede Gesellschaft hat eigene Grenzen und Vertreterregeln. Das ist ein Abstimmungsthema mit der internen Revision.
- Technische Benutzer und Berechtigungen in SAP. Erfahrungsgemäß der längste Terminblocker – früh beantragen, nicht am Ende.
13Risiken und wie man sie klein hält
| Risiko | Gegenmaßnahme |
|---|---|
| Das Produkt wird zum Kundensonderbau. Der erste Kunde legt alle Felder fest. | Trennung Kern / Connector von Beginn an, dazu ein zweiter gedachter Kunde, an dem jede Kernentscheidung gegengeprüft wird. |
| Die Anwender bleiben beim alten Weg. Bedarfe kommen weiter per E-Mail beim Einkauf an. | Freitextbedarf früh anbieten und den Einkauf konsequent auf das Portal verweisen. Ein Portal ohne Freitext erzeugt seinen eigenen Schattenprozess. |
| Regeln werden umgangen. Zu viele Sperren erzeugen Umwege. | Zwei Stufen strikt trennen: Gesperrt wird nur, was in SAP zum Fehler führt. Alles Fachliche warnt und bietet eine Lösung an. |
| Der Parallelbetrieb zieht sich. Zwei Systeme kosten doppelt. | Je Werk umstellen, nicht je Funktion. Ein Werk ist ein abgeschlossener Nutzerkreis mit eigenem Abschlusstermin. |
| Sprachfunktionen erzeugen Misstrauen. Nicht nachvollziehbare Vorschläge werden im Konzern nicht genehmigt. | Die Deutung des Bedarfs sichtbar machen und die Reihenfolge der Ergebnisse regelbasiert halten. Der Prototyp zeigt genau das. |
| Abhängigkeit von wenigen Köpfen wiederholt sich. | Gängige Technik (TypeScript oder Java, PostgreSQL, OpenSearch) statt einer Nischenplattform – das ist einer der Hauptgründe für die Ablösung und darf nicht neu entstehen. |
14Positionierung und Geschäftsmodell
Eine schlanke, moderne Einkaufsplattform für SAP-Kunden: schneller einführbar als große Source-to-Pay-Suiten, modular, schnittstellenoffen, mit besonders starkem Fokus auf Katalog und geführten Einkauf.
| Große Suite (Ariba, Coupa) | Eigenbau auf Mongoose | PROCURE | |
|---|---|---|---|
| Einführungsdauer | lang | gewachsen, nie abgeschlossen | kurz, ein Werk zuerst |
| Bedienung | funktionsreich, schwergewichtig | formularorientiert | wie ein Webshop |
| Anpassbarkeit | im Rahmen des Herstellers | beliebig, aber selbst zu pflegen | Konfiguration im Connector |
| Weiterentwicklung | Herstellerplan | eigenes Budget | Produktlinie plus Konfiguration |
| Abhängigkeit | Hersteller | einzelne Entwickler | gängige Technik, offene Schnittstellen |
Daraus ergeben sich zwei Erlösmodelle, die sich nicht ausschließen: als Mietmodell mit monatlicher Lizenz je Nutzer und Mandant, oder als Plattform plus Einführungsprojekt für SAP-Integration, Katalogaufnahme, Anpassung und Prozessberatung. Das zweite trägt den Anfang, das erste trägt die Jahre danach.
15Empfehlung für den Start
Der klickbare Prototyp liegt vor. Der nächste Schritt ist nicht mehr Entwurf, sondern Nachweis:
- Einen konkreten SAP-Testprozess vereinbaren. Benutzer anmelden → Artikel suchen → Warenkorb → Kontierung → Freigabe → BANF in SAP. Ein Werk, eine Warengruppe, ein Lieferant.
- Die drei Schnittstellen bauen, die der Nachweis braucht: Stammdaten lesen, Bedarfsanforderung übergeben, Status zurückmelden. Zusammen 14–21 Personentage.
- Technische Benutzer und Berechtigungen in SAP sofort beantragen – das ist der längste Terminblocker und hängt nicht vom Entwicklungsfortschritt ab.
- Parallel die Zuordnung Warengruppe zu Sachkonto mit dem Rechnungswesen klären. Ohne sie funktioniert die automatische Kontierung nicht, und mit ihr entfällt der häufigste Grund für Umbuchungen.
Wenn dieser Weg von Anfang bis Ende stabil läuft, ist die technische Grundlage für alle weiteren Module gelegt – und aus einer Kundenlösung wird ein Produkt.
Der Prototyp
Der klickbare Prototyp zeigt den vollständigen Einkaufsweg mit Regelwerk, mehrstufiger Freigabe und der erzeugten SAP-Nutzlast. Alle Schnittstellen sind darin Attrappen und als solche gekennzeichnet.
Dieses Dokument ist ein Produkt- und Architekturkonzept, keine Zusage. Konkrete SAP-Schnittstellen, verfügbare Dienste und Lizenzbedingungen sind je SAP-Version und Kundenlandschaft im Einführungsprojekt zu verifizieren. Genannte Marken- und Produktnamen gehören ihren jeweiligen Inhabern und dienen nur der Einordnung. Alle Zahlen, Artikel, Lieferanten und Belegnummern im zugehörigen Prototyp sind erfunden.
Zum Prototyp · Fassung 2, September 2026